Erster wichtiger Zwischenschritt zum Schutz von
Nordsee, Elbe und Deichsicherheit in Brunsbüttel
 Eilverfahren gegen erneute Elb-Baggerung am LNG-Port Brunsbüttel vor
Bundesverwaltungsgericht
 BI gegen CO2-Endlagerung und BUND SH gemeinsam gegen Verklappung
dreckiger Sedimente und für Deichsicherheit und Hochwasserschutz
Mit einem Eilverfahren geht die Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager e.V. (BI)
in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband
Schleswig-Holstein e.V. (BUND SH) vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen
erneute Baggerarbeiten an der Anlegestelle, dem West Jetty in Brunsbüttel vor.
Aus der Erfahrung der letzten Baggerung für die sogenannte Liegewanne des
Regasifizierungsschiffes (FSRU, Floating Storage and Regasification Unit) im
Jahr 2023 wollen die Verbände das Wattenmeer vor erneutem Schaden
bewahren. Damals wurden große Mengen belasteten Elbeschlicks in die
Deutsche Bucht vor Helgoland verbracht . Nach Beginn der diesjährigen
Arbeiten hat das Bundesverwaltungsgericht die zuständige
Planfeststellungsbehörde, das Amt für Planfeststellung Verkehr, gebeten,
vorläufig die Baggerarbeiten in der Elbe zu stoppen. „Das ist ein erster
wichtiger Schritt, um Nordsee, Elbe und die Deichsicherheit in Brunsbüttel zu
schützen“, so Reinhard Knof, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen CO2-
Endlager e.V..

Notwendig wurde der Eilantrag auf Grund des Vorhabens der
Hafengesellschaft, die Liegewanne für die FSRU erneut auszubaggern und das
Baggergut weiter in der Nordsee zu verklappen. Bedenken der BI und des
BUND, dass die aktuelle Ausbaggerung der Sedimente fast das doppelte der
ursprünglich beantragten Menge umfasst, und dass die Planänderung ohne ein
Planfeststellungsverfahrens rechtlich nicht durchführbar sei, wurden nicht
beachtet. Daher ist vorläufige Aussetzung der Baggerarbeiten ein erster
wichtiger Schritt. In dem Eilantrag kritisieren die beiden Verbände, dass der
Hafenbetreiber bei dem dem Wirtschaftsministerium angegliederten Amt für
Planfeststellung Verkehr einen Antrag auf eine Ergänzungsbaggerung für die
Liegewanne der FSRU eingereicht hatte, der die Umweltauswirkungen durch
die Baggerarbeiten und der Verklappung in der Nordsee in keiner Weise
ausreichend berücksichtigte; entsprechendes gilt mit Blick auf die
Deichsicherheit und den Hochwasserschutz.

Der Vorsitzende der BI, Reinhard Knof erklärt: „Die bloße Annahme des
Hafenbetreibers, dass von dem Baggergut keine erheblichen
Umweltauswirkungen auf die Verbringstellen zu erwarten sind, reicht nach
unserer Auffassung nicht aus. Wir sehen eine konkrete Betrachtung mit einer
überschlägigen wasserkörperbezogenen Auswirkungsprognose für dringend
erforderlich“.

Der BUND wies in seiner Stellungnahme vom September 2026 daraufhin, dass
bereits bei der vergangenen Verklappung Unstimmigkeiten hinsichtlich der
Schadstoffbelastung des Baggergutes nicht ausgeräumt werden konnten. Zum
aktuellen Verfahren kommt noch folgender Aspekt hinzu. Marina Quoirin-
Nebel, stellvertretende Vorsitzende des BUND SH dazu: „Wir haben es mit einer
stetigen Eutrophierung und Schadstoffbelastung der Nordsee zu tun. Die
weiteren Verklappungen der Feinsedimenten an Tonne 3 vor Helgoland
werden sich negativ auf das Ökosystem der Nordsee auswirken. Die
Auswirkungsprognose für die Unterbringung von Baggergut zur Verbringstelle
Tonne E3 stammt aus dem Jahr 2023 und hat sich als falsch herausgestellt. Das
Monitoring des verklappten Sediments zeigte, dass es für zahlreiche
Schadstoffe Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte gab und die Werte
teilweise dreimal so hoch waren, wie vom Hafenbetreiber in vorgelegten
Baggergutanalysen behauptet worden war. Weiterhin kritisieren wir das
Monitoring der Maßnahme, das aus unserer Sicht nicht ausreichend ist, um
eine mögliche Schadstoffbelastung der Meeresflora und Fischfauna zu
ermitteln und darauf adäquat zu reagieren. Jede Verklappung an der Tonne E3
kann eine direkte schädliche Auswirkung auf den Nationalpark Wattenmeer
bewirken; eine Folge, die nach der Meeresschutzstrategie der EU, der sich das
Land Schleswig-Holstein verpflichtet sieht, nicht hinnehmbar ist. Die BI gegen
CO2-Endlager warnt in seiner Stellungnahme davor, dass durch die beantragte
Ergänzungsbaggerung in tiefere, ältere Sedimentschichten der Elbe
eingegriffen wird. Der Böschungswinkel soll um 5 % stärker ausfallen als
bisher. Knof: „Das klingt zunächst nicht dramatisch, doch die
Ergänzungsbaggerung mit einem Böschungswinkel von 25 % am Deichfuß statt
bisher 20%, machen eine genaue Überprüfung der Standsicherheit des Deicheserforderlich.
Vor allem, weil der konkrete Zustand des Deichfußes sowie der
Aufbau des Deiches in diesem Bereich unbekannt“ ist.
Ole Eggers, Geschäftsführer des BUND SH warnt deswegen: „Eine
Beeinträchtigung der Deichsicherheit darf gerade in Hinblick auf die im
direkten Umfeld befindlichen Chemie- und atomaren Anlagen, die bei einem
Deichbruch unmittelbar betroffen wären, nicht leichtsinnig riskiert werden“.


Kontakt für weitere Informationen
Ole Eggers
Landesgeschäftsführer BUND SH
0178 635 07 19
ole.eggers@bund-sh.de
Reinhard Knof
Sprecher BI gegen CO“-Endlager
0162 138 92 23
reinhard@knof.com
21.10.2026